Social Media oder Kräuterkunde?

"Schönen guten Morgen! Ich hätte gern ein frisches Brot und einen Liter Milch." "Im Gegenzug würde ich Ihnen die Betreuung Ihrer Social Media Kanäle, sowie eine umfangreiche Budgetplanung für erfolgreiche Marketingkampagnen anbieten!"

 

Während das in einem früheren Jahrhundert vermutlich für reichlich Unverständinis gesorgt hätte - erscheint es selbst heute irgendwie banal. Head of Social Media, Marketing Manager - was würden wir damit anfangen, wenn es morgen ganz plötzlich wieder um Tauschhandel und Handwerk ginge?

 

Schreinermeister, Steinmetz, Landwirt, Bäcker, Florist, Schuster - all jene Berufe, blicken meist auf eine jahrhundertelange Handwerkskunst zurück.

 

Anders verhält es sich im heutigen Berufsbezeichnungs-Jungle. Während wir uns bereits nach Abschluss des Studiums wundervolle nonsense-Bezeichnung á la "Bachelor of Arts" auf die Stirn schreiben dürfen, ist die meistgestellte Frage auf Familienfeiern doch immer: "Was genau machst du jetzt eigentlich beruflich"?

 

Aber was genau haben wir denn nun eigentlich gelernt, wenn wir uns berufliche "Adelstitel" wie "Head of Marketing oder Senior Social Media Manager" auf die Visitenkarte drucken? Könnten wir im Falle einer Inflation damit wirklich unsere Brötchen verdienen? Welches Vermächtnis hinterlassen wir?

"Schau mal, diese Instagramseite hat deine Omi damals erstellt..."?

Und macht es uns am Ende des Tages wirklich glücklich?

 

Als ich vor einigen Wochen das kleine Atelier unseres ortsansässigen Steinmetz betrat, war ich fasziniert. Alles roch nach Kunst - der Staub, die zahlreichen typographischen Entwürfe, Ilustrations-Schablonen und ein junger Mann, der vollkommen in sein Handwerk vertieft war.

Die friedliche Atmosphäre begleitete mich noch den ganzen Tag und stimmte mich zugleich nachdenklich.

 

Welcher Beruf oder vielmehr, welche <<Berufung>> ist es, die mich auch jeden Sonntag wieder voller Freude auf den kommenden Montag blicken lässt? Und worauf möchte ich irgendwann voller Stolz und Glück zurückblicken?

 

Ist es nicht tatsächlich so, dass wir uns noch heute an antiken Handwerkskünsten erfreuen, wir froh sind, wenn unsere Lieblingsschuhe noch einmal eine neue Sohle bekommen und wir jeden Baum schätzen, der in unseren heimischen Wäldern seit hunderten von Jahren gedeiht?

 

Vielleicht ist es eine alberne Kontroverse in Zeiten, in denen die künstliche Intelligenz längst allgegenwärtig ist? Aber vielleicht lohnt es sich auch manchmal, zurückzuspulen in die frühesten Kindheitstage, in denen wir auf die Fragen >> "Was möchtest du denn mal werden, wenn du groß bist?" voller Überzeugung mit "Kräuterhexe" geantwortet haben.

 

Eure Liz

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    gina.liebe (Freitag, 12 Mai 2017 00:40)

    Hach, deine Worte sind wieder mal Zucker! Toller Denkansatz! Vielen Dank fürs Teilen!

  • #2

    Ulli (Mittwoch, 31 Januar 2018 13:29)

    Sprichst mir aus der Seele!